Peanuts – klein oder viel?

Es lebe das Handwerk!

Langsam kommen die ersten Tropfen. Die Anzahl der Klingeltöne des Telefons, das sich in diesem Moment meldet, ist größer als die Menge an einzelnen Tropfen, die zögerlich aus dem kleinen Schlauch unseres Entsafters (Marke „Weck“, Baujahr 1971) fallen. Der Entsafter läuft bereits über eine halbe Stunde, aber Quitten sind hartnäckig, sie brauchen viel länger als Johannisbeeren oder Weintrauben.

„Wir können Ihnen ein paar Tonnen Quitten anbieten und mit der großen Maschine für Sie pressen. Zusammen mit Ihren Quitten – ruckzuck“, höre ich den Obstbauer aus Rheinhessen am anderen Ende der Leitung sagen. Ein sympathischer und stets hilfsbereiter junger Mann, der für uns im Oktober reichlich Äpfel aus unserer Obstanlage zu einem vorzüglichen Cuvée-Apfelsaft (u.a. Jonagold, Elstar, Breaburn) gepresst hat. Die Quitten, die nicht in unserer Plantage wachsen, haben wir in den letzten Tagen in den Gärten von netten Privatpersonen gepflückt. Etwa 350 kg. „Peanuts“ für den Obstbauer.

In meinen Entsafter gehen knapp 8 kg aufgeschnittener Quitten. Es dauert 3 Stunden, bis ich 4 Liter Quittensaft gepresst habe. Ständig fülle ich Leitungswasser nach, heißer Wasserdampf zischt an meinen Armen hoch ins Gesicht, der Stromzähler im Keller dreht sich gnadenlos. Später werden die zurückbleibenden Quitten-Stücke fein „passiert“ und zu einem Quitten Anis Fruchtaufstrich veredelt, heißt, unter ständigem Rühren zum Kochen gebracht. Ebenfalls per Hand werden die Gläser gefüllt, sowohl der Aufstrich wie auch der aus dem Saft gekochte Gelee; mit einem Messbecher, der zwei Liter umfasst. So wie alle unsere Produkte mit einem 2-Liter-Meßbecher in Gläser gefüllt werden. Seit Jahr und Tag. Glas für Glas, dann verschlossen mit der Hand. Deckel für Deckel.

Die Tropfen werden allmählich zu einem dünnen Strom, der jetzt gleichmäßig und putzmunter in eine kleine Schüssel läuft. In diesem Moment beschließe ich, auch die nächsten 8 Kilo Quitten mit dem Küchenmesser und kräftigem Drücken (Quitten sind hart) zu „achteln“ und sie später in den Entsafter zu geben. Der Stromzähler wird sich weiter drehen. Ich hoffe, dass „Herr Weck“ durchhalten wird. 15 Portionen habe ich bereits entsaftet, etwa 30 weitere werden folgen, bis die 7 Zentner Quitten verarbeitet sind. Peanuts eben. Jedoch, ich bin glücklich. Genauso möchte ich arbeiten. Das ist MEIN Vinella! Regional und per Hand. Immerfort und immerdar! Hoffe, mein Mann sieht das auch so. Bin mir aber nicht ganz sicher. Für mich sind „Peanuts“ gleichbedeutend mit „klein“, so wie eine Erdnuss eben klein ist. Andreas sagt, für ihn bedeuten Peanuts „viele“, im Sinne großer Mengen. Ich bin froh, dass ich das Telefonat mit dem freundlichen Obstbauern angenommen habe.

An diesem Wochenende ist Andreas mit unseren Produkten auf der Plaza Culinaria in Freiburg, der, wie er immer sagt, „größten Gourmet-Messe in Deutschland“. Typisch Andreas! Zur gleichen Zeit bin ich auf dem Internationalen Gourmetmarkt im saarländischen St. Ingbert. Eine kleine und sehr feine Veranstaltung. – Beide freuen wir uns auf unsere „alten“ und „neuen“ Freunde und Fans!

Ihre
Claudia Rapp

P.S. Über den nachstehenden Link verschaffen Sie sich, so Sie möchten, einen Einblick als Rückblick auf unser erstes Erntefest in diesem Jahr, Anfang September. Ein wunderbarer und stimmungsgeladener Tag.

VINELLA-Erntefest-2018

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